Rainer E. Zimmermann:
Sartres
"Das Sein und das Nichts" als moderne Poetik. 18.
Februar 2004
in der TU Berlin, Raum MA 141 (Mathematik-Gebäude, Straße
des 17. Juni 136)
Am 12. Februar 2004, um 18 h, luden das Institut für Philosophie
und die Sartre-Gesellschaft
im Institut für Philosophie, Habelschwerdter Allee 30, Seminarraum
I, 14195 Berlin
laden ein zum Gastvortrag von
Ulrich Müller-Schöll, Vom Existentialismus zur Strukturellen
Anthropologie.
Sartres 'antihumanistischer' Humanismus
Lange Jahre galt Jean-Paul Sartre - zumindest in Frankreich, zumindest
in der Philosophie - als "letztes Bollwerk" des Humanismus.
Dem Medienstar Bernard Henri Lévy ist es kürzlich
in seinem Essay über "das Jahrhundert Sartres"
gelungen, dies in Zweifel zu ziehen. Unversehens hat er mit der
provokanten These, Sartre sei lange vor den Wortführern der
poststrukturellen und postmodernen Epoche (von Althusser und Deleuze
über Foucault bis Derrida u.a.) der Begründer des "antihumanistischen"
Denkens gewesen, Sartre zurück ins Spiel gebracht. Erst der
späte Sartre, so Lévy, habe sich vom Humanismus umgarnen
und in der Folge zu einem Fürsprecher totalitärer Gesellschaftsformen
werden lassen. Lévy, der ein reiches Gemälde von Sartres
Leben und seinem genreübergreifenden Schaffen gibt, hat es
allerdings versäumt, seine Behauptung anhand der inneren
Konsequenz und Struktur der Sartreschen Philosophie aufzuweisen.
Dies gilt es nachzuholen: Läßt sich mit dem Gegensatzpaar
Antihumanismus/Humanismus ein "Bruch" in Sartres philosophischem
Werk dingfest machen? Und was hat das dann für Konsequenzen
für den Beitrag, den Sartres Philosophie - insbesondere in
sozialphilosophisch-zeitdiagnostischer Hinsicht - heute leisten
kann?
Der Vortrag fand am Donnerstag, den 12. Februar 2004, um 18 h
im Institut für Philosophie, Habelschwerdter Allee 30, Seminarraum
I, 14195 Berlin statt.
Die Sartre-Gesellschaft, Die Deutsche Gesellschaft für französischsprachige
Philosophie (DGFP) und das Frankreich-Zentrum der Technischen
Universität Berlin laden ein zu einem öffentlichen Vortrag:
Rainer E. Zimmermann, Sartres "Das Sein und das Nichts"
als moderne Poetik.
Zur Neubegründung eines Begriffs.
Zeit: Mi, 18. 2., 19 Uhr c.t.
Ort: TU Berlin, Raum MA 141 (Mathematik-Gebäude, Straße
des 17. Juni 136)
Bereits um das Jahr 1980 herum hat Traugott König zum ersten
Mal den Gedanken geäußert, man könne Sartres Das
Sein und das Nichts "über weite Strecken als moderne
Poetik lesen." In den biographischen Arbeiten Sartres, namentlich
jenen über Flaubert und Mallarmé, die er als praktische
Anwendungen dieser Poetik versteht, sieht er hierbei einen lyrischen
Diskurs thematisiert und überarbeitet, welcher seit dem 19.
Jahrhundert einerseits dem herrschenden Bürgertum eine Ideologie
der Legitimation bietet, andererseits die Utopie einer Welt aufscheinen
läßt, in welcher der Mensch von entfremdeten Zwängen
frei wäre. In diesem Sinne sieht König die Mallarmé-Studie
Sartres wie ein Palimpsest durch die Flaubert-Studie hindurch
sichtbar werden. Er wertet die poetischen Ansätze beider
Autoren als Paradigma für einen modernen lyrischen Diskurs,
der sich als einer der "totale n Revolte im Universum der
Sprache" versteht und - einem Diktum von Maurice Blanchot
folgend - Sprache ganz allgemein als etwas erweist, das die Welt
zerstört, um sie wiedergeboren werden zu lassen im Zustand
von Sinn, bedeuteten Werten.
Prof. Dr. Dr. Rainer E. Zimmermann ist Professor für Philosophie
und Naturwissenschaften an der FH München.