Call for Papers Internationale Konferenz „Existenzphilosophie und Ethik“
Freie Universität Berlin, 10.-12. März
2011
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Bewerbungsfrist: 15. Juni 2010
Die Frage, ob sich auf existenzphilosophischer Grundlage
eine Ethik entwickeln lässt, ist seit jeher umstritten.
Kierkegaard wird oft vorgeworfen, sich im Zwiegespräch
des autistisch verschlossenen Einzelnen mit Gott jeglicher
Form von Sozialität zu verschließen, schließlich
spricht er selbst von einer „Suspension des Ethischen“;
Heidegger verneint in „Sein und Zeit“ bekanntlich
die Möglichkeit einer ethischen Deutung des menschlichen
Daseins; in ähnlicher Weise gesteht Sartre in „Das
Sein und das Nichts“, dass sich aus der ontologischen
Beschreibung des Menschseins ethische Schlussfolgerungen
nur im Modus des „als ob“ herleiten lassen.
Die Geschichte der Existenzphilosophie und ihrer Autoren
spricht jedoch eine andere Sprache. Hervorgegangen aus
der Opposition zu einer sich verselbständigenden
Lehrstuhlphilosphie, wandte sich das existenzphilosophische
Denken von jeher zur Lebenspraxis des Menschen und damit
verbundenen moralphilosophischen Fragestellungen zurück.
Die Ansätze der einzelnen Existenzphilosophen –
so sehr sie sich voneinander unterscheiden und abgrenzen
– kreisen dabei sämtlich um den Begriff der
menschlichen Freiheit, den schon Schelling als „Vermögen
des Guten und des Bösen“ beschrieb und der
als die Bedingung der Möglichkeit ethischen Denkens
überhaupt am Ursprung jeglicher Ethik steht.
Die Konferenz befasst sich mit dem Paradoxon, dass der
Existenzphilosophie – je nach Perspektive –
entweder starke Ethikverbundenheit oder große
Ethikferne zugeschrieben wird. Dabei sollen Fragen wie
die folgenden eine Rolle spielen: Wie erklärt sich
das Phänomen, dass trotz ihres praxisorientierten
Ansatzes keine nennenswerte ethische Tradition aus der
Existenzphilosophie hervorgegangen ist? Versperrt sich
Existenzphilosophie durch ihren spezifischen Ansatz
von vornherein die Möglichkeit, auf ethische Fragestellungen
einzugehen? Wird die Existenzphilosophie an einer zu
engen Auffassung von Ethik gemessen (die sie womöglich
gerade überwinden will); muss der Ethik-Begriff
erweitert werden? Deutet dies womöglich auf die
prinzipielle Unmöglichkeit, eine Ethik im traditionellen
Sinne zu schreiben? Lassen sich vom gelungenen Selbstverhältnis
des Einzelnen Rückschlüsse auf Formen des
guten zwischenmenschlichen Zusammenlebens ziehen bzw.
in welchem Verhältnis stehen Authentizität
und soziales Engagement zueinander?
Befragt werden hierzu die Ansätze Sören Kierkegaards,
Karl Jaspers‘, Jean-Paul Sartres und anderer Autoren
der Existenzphilosophie.
Dem Ansatz der Existenzphilosophie gemäß
wollen wir zugleich das Gespräch von der theoretischen
zur angewandt-praktischen Ebene hinüberführen.
Es gehört zum common sense der Existenzphilosophen,
Freiheit immer schon praktisch zu verstehen, als Engagement
des Einzelnen in der Welt. Dies soll am Beispiel diskutiert
werden. Zur Debatte steht, ob sich die konkreten sozialen
Haltungen Brüderlichkeit und Gewalt auf existenzphilosophischer
Basis rechtfertigen lassen. Brüderlichkeit und
Gewalt sind zwei soziale Haltungen, die – trotz
ihres offenbaren Gegensatzes – in der existenzphilosophischen
Tradition gleichermaßen auftreten. Stehen sie
in einem weniger konträren Verhältnis zueinander,
als dies auf den ersten Blick erscheinen mag, oder schließen
sie einander aus? Deutet die Tatsache, dass sie gleichermaßen
auftreten, auf die Beliebigkeit moralischer Schlussfolgerungen
aus dem existenzphilosophischen Ansatzes hin? In diesem
Zusammenhang lässt sich auch das konkrete moralische
Engagement einzelner Existenzphilosophen in seiner philosophischen
Fundiertheit kritisch überprüfen.
Gesucht werden Beiträge, die sich in systematischer
Hinsicht mit der Grundfrage nach einer existenzphilosophisch
fundierten Ethik auseinandersetzen und sich in eines
der Themengebiete einordnen lassen:
1) die Existenzphilosophie in Auseinandersetzung mit traditionellen Ethiken
2) Gibt es eine Ethik der Existenzphilosophie?
3) Lässt sich Authentizität als Wert begründen?
4) Sind Brüderlichkeit und/oder Gewalt auf existenzphilosophischer Grundlage zu rechtfertigen?
Die Vorträge sollen 30 min nicht überschreiten und können in deutscher, englischer oder französischer Sprache gehalten werden. Eine Publikation der Beiträge ist geplant.
Veranstalter:
Sartre-Gesellschaft e.V.
Freie
Universität Berlin, Institut für Philosophie
Lehrstuhl für Geschichte der Philosophie
Organisation:
Manuela Hackel
Abstracts (max. 1 Seite) sind bis zum 15. Mai 2010 einzureichen:
Manuela Hackel manuela.hackel@fu-berlin.de
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