Sartre Gesellschaft

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Antisemitismus

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Sartre, der zwischen einer katholischen Großmutter und einem protestantischen Großvater aufwuchs und den Glauben an Gott früh verlor, begann als junger Mann, angeregt u.a. durch jüdische Freundinnen und Freunde, sich für die sogenannte "Judenfrage" zu interessieren.

Als Kriegsgefangener bei Trier schrieb er zu Weihnachten 1940 sein erstes Theaterstück, Bariona oder der Sohn des Donners, das im Lager unter seiner Regie aufgeführt wurde. Dem Griechen Orest vergleichbar (Hauptgestalt des 1943 uraufgeführten Stückes Die Fliegen) verkündete der Jude Bariona den Zuschauern eine verschlüsselte Botschaft, den Aufruf zu Freiheit und Verantwortung.

Diese Begriffe nehmen in Sartres erstem politischem Essay, den Überlegungen zur Judenfrage, 1944/45 geschrieben und 1946 erstmalig veröffentlicht, einen zentralen Platz ein. Dieser Text, der ursprünglich Porträt des Antisemiten hieß, ist heute noch erstaunlich und zugleich erschreckend aktuell. Er erschien in einer neuen deutschen Übersetzung und mit einem die Vorgeschichte ausführlich nachzeichnenden Nachwort von Vincent von Wroblewsky 1994 als Rowohlt Taschenbuch (Band 2 der Politischen Schriften). Im Anhang dieser Ausgabe sind alle Äußerungen Sartres zu den Themen Juden und Israel versammelt.

9. Juni 2004