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Psychoanalyse

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Der umfangreichste Text Sartres, der in einem engen Bezug zur Psychoanalyse steht, entstand als Auftragsarbeit, als Sartre wieder einmal unter Geldmangel litt: 1958 bat ihn John Huston, ein Drehbuch über Freud zu schreiben. So entstand Freud - Das Drehbuch, das erstmalig 1984 und deutsch 1993 bei Rowohlt erschien. Von den über 600 Seiten sagte die bekannte französische Psychoanalytikerin Elisabeth Roudinesco: "Dieser postum veröffentlichte Text befreit den wahren Freud vom Korsett der offiziellen Geschichte."

Bereits in Sartres Erzählung Die Kindheit eines Chefs (frz. 1939, dt. in neuer Übersetzung 1987) ist ein früher Einfluß der Psychoanalyse zu erkennen. Eine erste Ablehnung des Unbewußten findet sich in Selbstbewußtsein und Selbsterkenntnis, einem am 2.6.1947 vor der Société française de Philosophie gehaltenen Vortrag (dt. 1973 und in durchgesehener Übersetzung 1994 als Rowohlt Taschenbuch Der Existentialismus ist ein Humanismus und andere philosophische Essays 1943-1948, Philosophische Schriften 4).

In Saint Genet, comédien et martyr (frz. 1952, dt. 1982 als Saint Genet, Komödiant und Märtyrer) wird die "existentielle Psychoanalyse" von Sartre umfangreich angewendet. Philosophisch zwischen Das Sein und das Nichts und der Kritik der dialektischen Vernunft (frz.1960, dt. 1967 - übersetzt von T. König) angesiedelt, verbindet Sartre hier - wie in entwickelter Form später in seinem großen Flaubert-Werk (L'idiot de la famille, 1971, dt. 1977-1979) - die am Ende von Das Sein und das Nichts (1943) erarbeitete existentielle Psychoanalyse und die marxistische Methode.

Ein Beleg für Sartres Haltung zur Psychoanalyse ist auch die Polemik in der Zeitschrift Les Temps Modernes (Nr. 274 vom April 1969) anläßlich der Veröffentlichung eines Tonbandprotokolls, das den Versuch der Umkehrung der psychoanalytischen Situation durch einen Patienten dokumentiert. Sartres Argumente für die Veröffentlichung dieses Dokuments wurde mit den erstmals deutsch veröffentlichten Antworten von Jacques Pontalis und Bernard Pingaud im Journal der Sartre Gesellschaft "Carnets 2000" veröffentlicht.

9. Juni 2004