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Textauszug: Das Sein und das Nichts
Die Wörter
Das
Sein und das Nichts
Geschlossene Gesellschaft
... Es gibt keine guten Väter, das ist die
Regel; die Schuld daran soll man nicht den Menschen geben, sondern
dem Band der Vaterschaft, das faul ist. Kinder machen, ausgezeichnet;
Kinder haben, welche Unbill. Hätte mein Vater weitergelebt,
er hätte mich mit seiner ganzen Länge überragt und
dabei erdrückt. Glücklicherweise starb er sehr früh;
inmitten so vieler Männer, die gleich dem Äneas ihren
Anchises auf dem Rücken tragen, schreite ich von einem Ufer
zum andern, allein und voller Mißachtung für diese unsichtbaren
Erzeuger, die ihren Söhnen das ganze Leben lang auf dem Rücken
hocken: ich ließ hinter mir einen jungen Toten, der nicht
die Zeit hatte, mein Vater zu sein, und heute mein Sohn sein könnte.
War es ein Glück oder ein Unglück? Ich weiß es nicht;
aber ich stimme gern der Deutung eines bedeutenden Psychoanalytikers
zu: ich habe kein Über-Ich.
... Man hat mich verstehen lassen, daß ich weit eher ein Kind
des Wunders als der Sohn eines Toten sei. Zweifellos kommt daher
meine unglaubliche Leichtfertigkeit. Ich bin kein Chef und begehre
auch nicht, einer zu werden. Befehlen, gehorchen, das macht für
mich keinen Unterschied. Der Autoritärste befiehlt im Namen
eines anderen, eines geheiligten Parasiten - seines Vaters -, er
überträgt die abstrakten Gewalttaten weiter, die er erlitten
hat. In meinem ganzen Leben habe ich keinen Befehl erteilen können,
ohne dabei lachen zu müssen, ohne daß man darüber
gelacht hätte, weil ich eben nicht von der Machtkrätze
befallen bin: man hat mir den Gehorsam nicht beigebracht. ...
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