Leben heißt Bedeutung hervorbringen.“ – Sartres Existenzielle Psychoanalyse als Beitrag für eine Konzeptualisierung von Salutogenese

Leben heißt Bedeutung hervorbringen.“ – Sartres Existenzielle Psychoanalyse als Beitrag für eine Konzeptualisierung von Salutogenese

Von Ottomar Bahrs: Warum Sartre? Sich mit Bezug auf Gesundheit ausgerechnet auf Sartre (1905 – 1980) zu beziehen, mag verwundern: Er ist weder als Arzt noch als Gesundheitswissenschaftler bekannt geworden, sondern als politisch engagierter Philosoph und Schriftsteller. Er war eine zentrale Figur des französischen Existenzialismus der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg und im öffentlichen Bewusstsein wesentlicher Gegenspieler von Präsident Charles de Gaulle (Lévy, 2005). Im Sinne vorherrschender Vorstellungen von gesundheitsbewusstem Verhalten gilt er hingegen eher als Herausforderer denn als Modell: er war Kettenraucher, hat jahrelang Medikamentenmissbrauch zur Steigerung seiner Leistungsfähigkeit betrieben
und sein unglaubliches Arbeitspensum auch mit sich anbahnenden und später manifestierenden chronischen Erkrankungen (u. a. Diabetes und Schlaganfälle) sowie schließlicher Blindheit aufrechterhalten. Den Preis dafür hat er bewusst in Kauf genommen (Lévy, 2005; de Beauvoir 1983). Seiner langjährigen Lebens-
gefährtin Simone de Beauvoir zufolge war es für ihn wichtiger, seine Flaubert-Studie zu Ende zu schreiben als nur gesund zu sein. Kein einfacher Patient also.

Aber: seine existenzielle Psychoanalyse mit dem Versuch, einen Menschen von innen heraus zu verstehen, liefert implizit einen Zugang zum Prozess der sinnhaften Entwicklung von Gesundheit und Krankheit und eröffnet damit einen Weg, „abweichendes Verhalten“ weder zu pathologisieren noch zu beschönigen, sondern als Lebensleistung zu beschreiben, die auf ihren Sinn hin befragt werden kann. …

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Ursprünglich erschienen in: Der Mensch 68/69 3-4/2025, S. 22-26

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