Rezension: Nancy Jachec, Italy, Jean-Paul Sartre, and Europe’s Cold War. Ethics, Resistance, Political Change

Rezension: Nancy Jachec, Italy, Jean-Paul Sartre, and Europe’s Cold War. Ethics, Resistance, Political Change

Nancy Jachec‘ Buch Italy, Jean-Paul Sartre, and Europe’s Cold War zählt zu den bedeutendsten Büchern, die in diesem Jahrhundert bislang über Sartres politisches Engagement geschrieben wurde. Das Werk berichtigt dessen bisherige Rezeption in einem entscheidenden Aspekt und eröƯnet neue Perspektiven auf Sartres politisches Wirken.

Nichts hat der Rezeption von Sartres Denken so sehr geschadet wie dessen partielle Zusammenarbeit mit der Kommunistischen Partei Frankreichs (PCF) 1952–1956 und der Sowjetunion 1954–1956 und 1962–1966. Die für die Zeit des Kalten Krieges charakteristische Sichtweise in Schwarz – Weiß hat auch die Rezeption von Sartres Denken deutlich geprägt. Noch heute, fast ein halbes Jahrhundert nach Sartres Tod sind die Folgen hiervon zu spüren. Für viele gilt Sartre immer noch als Weggefährte der Kommunisten, sein Denken wird deshalb häufig noch als suspekt beurteilt.

Nancy Jachec‘ Buch Italy, Jean-Paul Sartre, and Europe’s Cold War unterscheidet sich von den meisten politischen Biographien Sartres dadurch, dass es nicht diesem gängigen Weiß-Schwarz-Schema folgt. Es zeigt Sartre als Teil jener Bewegung, die den Gegensatz von Ost und West, von Kapitalismus und Kommunismus zumindest auf dem kulturellen Gebiet überwinden wollte und, wie Sartre auf dem Weltfriedenskongress in Moskau 1962 forderte, nach einer Demilitarisierung der Kultur riefen. Bedeutend war diese Bewegung in den Jahren 1955–1970 im Zusammenhang mit dem kulturellen Tauwetter und den Wirtschaftsreformen hinter dem Eisernen Vorhang. Sartre war für diese Reformer ein bedeutender und einflussreicher Gesprächspartner, der einen wichtigen Beitrag dazu leistete, dass die Reformbewegung, die letztlich zum Fall des sowjetkommunistischen Systems führte, überhaupt möglich war.

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