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Workshop – Jean-Paul Sartre, Kritik der dialektischen Vernunft

Zeit: Wochenende des 21./22. Mai 2016, jeweils von 10-18 Uhr
Ort: TU Berlin, Raum: H 2051
Leitung: PD Dr. Jens Bonnemann (Sartre-Gesellschaft e. V.)

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Jean-Paul Sartre gilt als ein Philosoph, der den Gedanken einer rückhaltlosen Freiheit vertreten hat. Der Mensch ist nichts als das, wozu er sich macht, und deshalb geht die Existenz bei ihm der Essenz voraus – so lautet eine Grundthese des Existentialismus, die wie ein roter Faden Sartres Hauptwerk Das Sein und das Nichts (1943) durchzieht. In seinem späteren Denken grenzt er sich jedoch von seiner frühen Position ab, weil, wie er in einem Interview erklärt, das Leben ihn die Macht der Dinge gelehrt habe. Sein zweites philosophisches Hauptwerk Kritik der dialektischen Vernunft (1960) ist gerade der Versuch, eben diese Macht zu begreifen, die die Dinge auf den Menschen ausüben.

Es handelt sich dabei um ein Werk, das von der Forschung kaum zur Kenntnis genommen wurde, weil sich das philosophische Interesse in dieser Zeit einerseits kontinentalen Strömungen wie dem Strukturalismus und dem Poststrukturalismus, andererseits der sprachanalytischen Schule aus dem angelsächsischen Raum zugewandt hat. Der Workshop verfolgt das Ziel, die Grundgedanken dieses gewissermaßen noch unerschlossenen Buchs zu verfolgen. Dabei wird sich auch herausstellen, inwiefern sich das späte Denken im Verhältnis zum Existentialismus durch einen Bruch oder durch eine Kontinuität auszeichnet. Ein Schwerpunkt soll dabei auf Sartres Überlegungen zur Entfremdung, d. h. zum Praktisch-Inerten liegen, in dem gerade die Macht der Dinge in den Vordergrund gerückt wird. Von hier aus werden alle anderen Themen – vor allem natürlich die Gruppenpraxis in ihrer dialektischen Entwicklung – überhaupt erst in ihrer ganzen Tragweite verständlich. Dies bietet sich auch deswegen an, weil die Entfremdung immer noch ein aktuelles Thema ist, wie neuere Arbeiten von Rahel Jaeggi, Peter V. Zima und Christoph Henning zeigen. Darüber hinaus handelt es sich um eine zentrale Kategorie der kritischen Sozialphilosophie, durch die etwa auch Parallelen zwischen Sartres Denken und der Frankfurter Schule erkennbar werden. Innerhalb des Workshops werden ausgewählte Textpassagen aus der Kritik der dialektischen Vernunft – vor allem aus der ersten Hälfte – gemeinsam gelesen und diskutiert. Zur Unterstützung halten die Teilnehmer kurze einführende Präsentationen, die Fragen aufwerfen und einen ersten provisorischen Überblick über die Textabschnitte als Verständnisgrundlage ermöglichen sollen. Die Veranstaltung richtet sich an alle Sartre-Interessierte (Studierende, Doktoranden, Habilitanden usw.).

Interessenten melden sich bitte per Mail an: > jensbonnemann@gmx.de.
Es wird um eine verbindliche Anmeldung bis zum 30. April gebeten.

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